Isaak, Rahel und Esther kommen. Isaak. Rahel (singt). La, la, la, la. Isaak. Rahel. Ei, wohl hör ich. Isaak. Nun, und weichst nicht? Rahel. Hör, und weiche doch nicht. Isaak. Je, je, je! Rahel (zu Esther). Ei, was zerrst du mich am Arme? Isaak. Rahel. Ei, ich bitte mich wohl los. Isaak. Rahel (singend). Und sie ärgern sich,
Und mich kümmert's nicht. La la la la. Isaak. Sieh, so schraub ich's los und halt es. Weh, o weh! Weh, o weh! (Er sucht im Gesträuche.) Esther. Ei, was kommt dich an? Isaak (suchend). Rahel. Rahel. Vater, jedes, nur nicht dies. sprech ich dann,
Und er kneipt mich in die Backen. Esther. Isaak. Esther. Isaak. Rahel. Vater, hört doch! Isaak. Rahel. Isaak. Komm, Esther, komm! (Er geht.) Rahel. Ich will nicht allein sein! Ich will nicht allein sein! Ach, sie kommen.--Schwester! (Zur Königin gewendet.) Ich war ein Kind und weinte, sagten sie. Ich selber Fahne mehr als Krieger noch
Inmitten eines Heers, durchzog das Land
Erfechtend mit des Mundes Lächeln Siege;
Sie aber lehrten mich und pflegten mein,
Und Muttermilch floß mir aus ihren Wunden. Manrique. (Zur Königin.) König. Ei, ei! Und der da mild, ist selten ohne Schwäche. (Zur Königin.) Königin. König. O weh doch, Almirante! Wir haben's nicht getroffen, ob bemüht. Königin. Ich dank Euch, edle Herrn! König. Manrique. Herr--
König. Manrique. Ein Bote kam. König. König. Manrique. Manrique. Mein Sohn. König. Ah, Garceran! (Zur Königin.) (Garceran kommt.) König. Ah, mein Freund! Garceran. König. Garceran. König. Garceran. König. Garceran. König. Und ihr, ihr duldet's? Garceran. König. König. Was ist? Garceran. Die eine, schau! König. Hierher, nur hier! Rahel. (Sie greift nach den Händen der Königin, die sich von ihr abwendet.) Auch hier nicht Rettung, übrall Angst und Tod. Du kannst mich schützen, Herr, ach, und du wirst's. Ich will nicht sterben, will nicht! Nein, nein, nein! König (zu einigen, die sich nähern). Rahel (emporgerichtet). König. König. Esther. König. Ich glaub's, ich glaub's! Esther. König. Nein, nein! Hier ist die Sicherheit, hier ruht sich's gut. Königin. König. Königin. Seid Ihr gefangen, bin ich frei. Ich gehe. König. (Zu Rahel streng.) Ich sage dir, steh auf!--Gib ihr ihr Tuch
Und laß sie gehn. Rahel. Esther. O nicht doch! König. Mich? Esther. König. He, Garceran! Garceran. Esther (mit Rahel beschäftigt.) Und gib nur, was du hast,
Es ist mein Lösegeld. Esther. König. Garceran. Mir, o Herr? König. Garceran. Sie ist's, o Herr! König. König. Garceran. Doch, Herr, ich fürchte--
König. Garceran. König. Ich höre, hoher Herr! König. Ja so! Esther. Wir sind's, o Herr. König. Garceran. König. Rahel (noch immer erschöpft, sich gegen den König wendend). König. Ich kann nicht gehn. (Rahel und die Ihrigen, von Garceran begleitet, ab.) Manrique. König. Manrique. König. Die Strafe, Freund, ist, denk ich, nicht so hart. Kurzes Theater. Garceran. Knappe. Garceran. Ah, Robert! Knappe. Garceran. Knappe. Garceran. Ah, Majestät! König. Garceran. Jawohl, jawohl! Garceran. Garceran. König. Garceran. König. Garceran. Nu, Herr, nicht eben schlimm. König. Garceran. König. Nicht so? Garceran. Ich selber lieb es nicht dies Volk, doch weiß ich,
Was sie verunziert, es ist unser Werk;
Wir lähmen sie und grollen, wenn sie hinken. Garceran. Herr, ich weiß nicht. König. Was ist? Garceran. Garceran. König. Was Geschwätz--
Isaak. Garceran. Gleichviel. Nun ja, es wird euch kommen. (Zu Garceran.) Isaak. Ja, Törin! Garceran. Isaak. Garceran. Isaak. Garceran. Und was die Furcht betrifft,
Nicht deine Tochter ist's, noch du, für die ich fürchte. Beide ab.) Rahel. Hier soll der Lehnstuhl her, hier in die Mitte. Esther. Rahel. Und meine Schleppe, nicht wahr? Esther. Der Vater auch bleibt fern, den sie vertrieb. Hier ist des Königs Bild, gelöst vom Rahmen
Das nehm ich mit. Esther. Rahel. Esther. Rahel. Das Bild gefällt mir. Sieh, es ist so schön,
Ich häng es in der Stube nächst zum Bette. Rück mir den Schemel her, ich bin die Kön'gin,
Und diesen König heft ich an den Stuhl. König. Du wolltest's und ich sag's. König. Esther. Nicht immer, gnäd'ger Herr. Und scheu nicht, schreckhaft nur. König. König. Nun denn, so fasse dich, mein gutes Kind. Isaak (schnell). Herr, in der Jüdenstraße
Ben Mathaes Haus. Esther. König. Das Bild ist mein. König. Rahel (zu Garceran). gerad ins Herz. König. Esther. König. (Zu Garceran.) Garceran. Sie ist's mein Herr und König. König. König. Rahel (zu Esther). Ich nehm es mit. König. Garceran. (am Fenster). König. Garceran. König. Esther. Ich sagt' es ja: es ist der Weg des Unglücks. Königin. Garceran. Er war, doch ging er fort. Königin. Und hier die Jüdin. Manrique. Rahel. Manrique. Esther. Garceran. Manrique. Garceran. Manrique. (Zur Königin.) Königin. (Zu Garceran.) Garceran. Rahel (zu Esther, die sich mit ihr beschäftigt). Ich wäre nicht gewichen, galt's den Tod. Garceran. Erst frag ich noch den König, was sein Wille. König. Wie, ihr noch hier? Garceran. König. Garceran. König. Ich bin kein solcher, Garceran. Drum zögre nicht. Rahel (zu Esther). So komm du mit. Esther. Rahel. Meinen Willen. Gält's das Schlimmste. König. Rahel. Es ist geschehn. König. Esther. Nimm unsern Dank, o Herr. Rahel. Den meinen nicht. König. Rahel. Ich spar ihn auf. König. Rahel. Ich weiß das besser. (Zu Esther.) Komm! König. (Ein Diener tritt ein.) Diener. Bereit die Pferde. Diener. Herr, nach Toledo? König. Nach Alarcos, Freund. König. (Zum Diener.) Diener. Wen, Gebieter? König. Was, hoher Herr? König. Ich will nur selbst den Tausch, wär's Not, erzwingen. So ist's, erlauchter Herr. König. Ja so, nur fort! Um so viel besser. Komm! (Mit dem Diener ab.) (Der Vorhang fällt.) Isaak. Bittsteller. Isaak. Stört hier nicht länger, fort. Herr Isaak, hört, Ihr kennt mich von Toledo. Isaak. Ich kenn Euch nicht. Isaak. Herr, zwanzig. Isaak. Isaak. Er ist so eng, ich martre mich umsonst. (Garceran ist währenddem eingetreten.) Garceran. Isaak. Es ist nicht anders. Garceran. Isaak. Garceran. Isaak. Garceran. Isaak. Geld, Freund, ist aller Dinge Hintergrund. Ihr eßt das Geld, Ihr trinkt's, denn was Ihr eßt
Es ist gekauft und Kauf ist Geld sonst nichts. Isaak. Garceran. Doch soll's nicht länger währen, sag ich Euch. Isaak. Wenn nicht mit uns,
So seid Ihr gegen uns. Garceran. König. Hier ist der Platz und hier die Laube. Rahel. Haltet ein, ich falle. König. Rahel. Nein, nein, mir schwindelt. Fürwahr. Rahel. König. Rahel. König. Rahel. Ich fühl es wohl, ich bin Euch nur zur Last. Nein, nein, nein, nein! König (lachend). Die Mattigkeit, zum Glück, läßt etwas nach. (Garceran erblickend.) Sieh nur, sie ist ein Kind. Garceran. Ein sehr verwöhntes, scheint's. König. So sind sie alle. Garceran. König. Garceran. König. Garceran. König. Rahel. Wohl, man hält Euch ab. König. Garceran. So soll ich? König. Geh nur, geh! Rahel. Nur näher, näher, so! nun, gesteht. Garceran. Rahel. (Diener ab.) Rahel. Wär' sie ein Mann, sie wär' ein Held. Garceran. König (wie oben). Garceran. Ihr hört mich nicht. Ich selber will dahin. König. Und wirst erzählen dort und meinen, schwatzen. Garceran. König. Von mir, von dem, was hier geschah. Garceran. König. Garceran. Beinahe. König. Garceran. Garceran. König. Du sollst zum Heer, doch nicht allein, mit mir. Die Sonne schleicht sich ein in mein Versteck,
Wer stützt den Umhang mir nach jener Seite? Rahel. Zwar derb, wie alles hier, doch dient's zur Not. (Sie tut es.) Die Sonne siegt, verscheuchend alle Nebel. Rahel. Ich schütze mich.
König. (Esther kommt von rückwärts, links.) Rahel. Nur schnell, nur schnell! Esther. (Zu Garceran.) König. Esther. Ich wache, Herr. Rahel. O weh mir, weh! König (zu Esther). Garceran. Seht mich bereit. Esther. Rahel. O bleibt doch, bleibt! König. Komm, Garceran! König. Komm Garceran. Er sei mit euch. Rahel. Esther. Ich warnte dich, du hast mich nicht gehört. Rahel. Esther. Rahel. Esther. Rahel. So soll ich sterben denn und bin noch jung,
Und möchte leben noch. Esther. Es ist. Rahel. Ich will es gar nicht sehn. Isaak. In Harnisch, ja. Rahel. Esther. Rahel. Ein Zeichen, daß der König aus den Toren. (Der Vorhang fällt.) Königin (leise). Manrique. Zwar wird er kommen,
Ich weiß. Ich tadle nicht, ich sage nur was ist. Königin (leise). Den Tod. Manrique. Den Tod. Manrique. Ihr hört's, Ihr Herren. Königin. Manrique. Königin. (Sie setzt sich.) Manrique. (Ein Diener kommt.) Diener. Don Garceran. Manrique. Manrique. Das ist ein anderes. (Garceran tritt ein.) Manrique. Garceran. Manrique. Garceran. Manrique. Garceran. Manrique. So viel genügt. (Zu Garceran.) Garceran. Manrique. Garceran. Nichts gegen meinen König, meinen Herrn. Manrique. Ihr hab, die Wahl! Diener. Des Königs Majestät. (Zu den Dienern.) Nichts soll ihn mahnen, daß man hier getagt. Königin (die vom Throne gestiegen). Manrique. König. Ich selber will an meiner Gattin Seite
In ihrer Kutsche mich dem Volke zeigen,
Auf daß es glaubt was es mit Augen sieht
Daß abgetan der Zwist und die Zerwürfnis. Ich bin allein. König. Lenore, sei gegrüßt! Königin. König. Und nicht die Hand? Königin. König. Und nicht die Hand? König. Lenore, diese Hand ist nicht verpestet. O Gott, wie gern! König. Königin (die Rechte bietend). Mein ganzes Selbst. König. Die Hand, sie zittert. Königin. Verzeihn ist leicht, begreifen ist viel schwerer. Ich faß es nicht. König. Königin. König. Königin. Nicht so! nicht so! König. Ich selber trage, ich, die ganze Schuld. Königin. O laß mich glauben, was mich hält und tröstet. König. Königin. König. Gott sei gedankt, daß er sich wiederfand. Königin. Allein du selber trägst an deinem Hals--
König. Ja so! Königin. Sieh nur, du hast das Mädchen nicht gekannt. Königin. Oh, nicht natürlich, glaube mir mein Gatte. Königin. König. Königin. Was ist? Königin. König. Nicht so! Nicht du, Lenore, nein, du bist entschuldigt. Manrique. Garceran. Manrique. Garceran. Ich folge. König. He, Garceran! Was ist? Knappe. König. Knappe. König. Knappe. Ich weiß nicht. Knappe. König. Sie gehen, sie zu töten. Knappe. Nun denn ein andres, Garcerans, das deine. Knappe. König. (Der Vorhang fällt.) Es ist dunkel. Von außen. Isaak. So sind sie fort?--Ich höre nichts. Esther. Isaak
Bist du es, Rahel? Esther. Isaak. Nur, sagst du, nur? Du, meine einz'ge Tochter,
Die einz'ge, weil die beste. Esther. Isaak. Es ist nicht. Esther. Isaak. Sie sagen dies und das. Esther. Hier will ich bleiben und will Wache halten. (Sie sitzt.) Isaak (vom Boden). Nein viele!--Schütze mich, ich flieh zu dir. Esther. König. Allein du weinst, und Tränen lügen nicht. Sieh her, ich weine auch. König. Und du bist Esther, nicht? Esther. Ich bin es, Herr. König. Esther. Es ist. König. Isaak. Esther. Wohl, von Eurer Tochter. König. Ich sage dir, wir sind nur Schatten,
Ich, du, und jene andern aus der Menge;
Denn bist du gut: du hast es so gelernt,
Und bin ich ehrenhaft: ich sah's nicht anders;
Sind jene andern Mörder, wie sie's sind:
Schon ihre Väter waren's, wenn es galt. Esther. Tu's nicht, o Herr! König. Nicht nur an ihr, an mir hat man gefrevelt. Ich will! Esther. Sie ist, sie war, sie bleibt. König (hat die Fackel ergriffen). Isaak. Esther. Hier will ich sitzen. Manrique. Königin. Manrique. Sie traf bereits, was uns vielleicht bedroht. Königin. Mich laßt voran, ich bin die Schuldigste. Manrique. Nicht also, edle Frau! Ich selber tat's. Garceran. Seht mich bereit. Manrique. Weib, wir sind Christen. Esther. Manrique. Hier ist das meine. So harren wir. Königin. Manrique. Ich nicht. Manrique. König (emporfahrend). Euch sucht' ich eben,
Und alle. (Er tritt vor sie hin, sie mit zornigen Blicken messend.) Kommt Ihr, mich zu töten? Königin. König. Königin. König. Ich gehe, es zu holen. Königin. Gott, noch immer! Manrique. Es bebt das Land. König. He, Garceran! Garceran. König. Ich meine dich. Komm her zu mir. Garceran. Herr, sie war schön. König. So! Garceran. Doch auch verbuhlt und leicht, voll arger Tücken. König. Garceran. Ich sagt' es Euch. König. Garceran. König. Garceran. König. Nicht leer an Sinn, und blind auch nicht vor allem. Ich sage dir: sie war nicht schön. Garceran. König. Tritt hin zu deinem Vater, zu den andern. Hier ist die Mutter. Was sie tat,
Sie tat es für ihr Kind. Ihr ist verziehn. Madoña, straft Ihr mich? Und wer dann fällt, er hat gebüßt für alle. doch, um Gott! Das schützt vor vielem. (Trompeten aus der Ferne.) Sie rufen uns. Zuletzt der König, sich vertraulich auf Garceran
stützend.) Kommt, Vater, kommt! Esther. (Der Vorhang fällt.)